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27.08.2009, 13:43 Uhr | MOZ / Kai-Uwe Krakau
Landwirte sehen Biogasanlage "äußerst kritisch"
Vorhaben in Werneuchen stößt auf Bedenken - CDU-Fraktion veranstaltete Anhörung zum Thema
Die geplante Biogasanlage in Werneuchen birgt mehr Risiken als Chancen. Das ist das Ergebnis einer öffentlichen Anhörung, initiiert durch die städtische CDU-Fraktion.
"Wir wollen mit den Menschen sprechen, die von dem Projekt betroffen sind", hatte CDU-Fraktionsvorsitzender Mathias Wiegand die öffentliche Veranstaltung begründet. Es gehe für die Stadtverordneten nicht darum, das Vorhaben zu begrüßen oder abzulehnen. "Ein Unternehmen kann sich im Rahmen der Gesetze schließlich überall ansiedeln", so der Willmersdorfer. Man müsse aber darauf hinweisen, welche Auswirkungen derartige Anlagen haben.

Die Fakten: Ein bayrisches Unternehmen will auf dem Gewerbegebiet an der Alten Hirschfelder Straße bis 2010 eine Biogasanlage errichten. Damit sie wirtschaftlich betrieben werden kann, sind den Firmenangaben zufolge jährlich 52 000 Tonnen nachwachsende Rohstoffe (Frischmasse) erforderlich. Bis zu 60 Prozent entfallen auf Mais, der Rest sollen Zwischenfrüchte und Gräser sein. Abfallstoffe, auch sie können theoretisch verarbeitet werden, sollen dagegen nicht verwendet werden.

Die 39 3000 Tonnen flüssiger und fester Gärreste pro Jahr will das Unternehmen als hochwertigen Dünger wieder auf die Felder bringen. Darüber hinaus sei mit insgesamt 5000 bis 6000 Lkw-Bewegungen zu rechnen.Die Transporte würden sich jedoch über das Jahr verteilen, hieß es. Das erzeugte Biogas wird in die naheliegende Leitung der Verbundnetz Gas AG bzw. der EWE AG eingespeist. Die Investitionssumme wurde mit 14 bis 16 Millionen Euro angegeben. Drei bis vier Vollzeitarbeitsplätze will die Schmack Biogas AG schaffen.

"Grundsätzlich ist es positiv, wenn landwirtschaftliche Produk-te veredelt werden", stellte Bringfried Wolter aus Willmersdorf zunächst fest. Dies treffe insbesondere dann zu, wenn Biogasanlagen in den Agrarbetrieb integriert sind. "Hinter einem Projekt dieser Größenordnung stehen aber viele Fragezeichen", so der stellvertretende Präsident des Bauernbundes Brandenburg. Wolter verwies auf mögliche Monokulturen, die Auswirkungen auf die Natur und den erheblichen Transportaufwand, der notwendig ist und den Verkehr in der Region belastet.

Von seinen Erfahrungen mit einer Biogasanlage berichtete anschließend Hans-Georg von der Marwitz. "Das Konzept ist auf meinen Betrieb abgestimmt", betonte der Friedersdorfer. Er könne daher die notwendige Ertragsstabilität garantieren. "Wir müssen uns bewusst sein, dass in dieser Region jede dritte Maisernte schlecht ist", so von der Marwitz. Er habe bei einer Fläche von 200 Hektar, auf der Mais angebaut werde, keine Probleme mit Fruchtfolgen. In die natürlichen Kreisläufe werde auch nicht belastend eingegriffen. Von der Marwitz geht davon aus, dass der Betreiber der Anlage in Werneuchen mindestens 4500 Hektar binden muss, um Kontinuität zu erreichen. "Welcher Landwirt ist heute noch bereit, solche langfristigen Verträge abzuschließen?", fragte der Friedersdorfer in die Runde. Er sehe die Anlage daher "äußerst skeptisch", zumal es kein Konzept für die Nutzung der entstehenden Wärme gibt. Von der Marwitz verwies ferner auf das Großprojekt in Penkun an der deutsch-polnischen Grenze. Dort gebe es massive Probleme.

Die Verträge sieht auch Wolter kritisch. "Niemand wird für mehr als fünf Jahren abschließen", war sich der Vize-Präsident des Bauernbundes sicher. Damit sei jedoch die Planungssicherheit für das Vorhaben nicht gegeben. "Das ist eine äußerst wacklige Angelegenheit", so der Willmersdorfer Landwirt.

Von der Marwitz plädierte schließlich dafür, dass Landwirte von der Veredlung ihrer Produkte profitieren sollten. Dies könne beispielsweise durch die Gründung von Betriebsgemeinschaften geschehen. "Die Verträge werden nur dem Betreiber nutzen, der Lieferant wird nichts verdienen", ergänzte Bringfried Wolter. Er kritisierte zudem, dass die Schmack Biogas AG nicht zuerst mit den Landwirten gesprochen hat. "Wenn es dort positive Reaktionen gegeben hätte, wäre das schon mal ein Pluspunkt gewesen," so Wolter.

Viele Landwirte befürchten darüber hinaus, dass die Gentechnik genutzt wird, um die erfahrungsgemäß geringen Maiserträge zu steigern. "Das ist natürlich eine Gefahr, vor allem dann, wenn die Flächen zu klein sind, um eine vernünftige Fruchtfolge gewährleisten zu können", sagte Wolter. Zudem brauche die "märkische Streusandbüchse" viel Humus, den der Mais aber nicht liefert. "Der Standort ist für Mais nicht günstig, die Erträge schwanken einfach zu stark", erläuterte der Willmersdorfer.

Von der Marwitz wies darauf hin, dass Auskreuzungen bei gentechnisch veränderten Pflanzen immer möglich sind und dann die landwirtschaftlichen Betriebe in ihrer Existenz bedrohen können. "Mehr Erträge können wir auch durch Züchtung erreichen, die Gentechnik brauchen wir nicht", so die deutliche Aussage des CDU-Bundestagskandidaten.

"Die Landwirte bekommen gesagt, welche Qualitätskriterien sie erfüllen müssen und wenn sie das nicht können, kommt die Gentechnik", befürchtete in der Diskussion schließlich auch Evelyn Jesse.

"Wo Biogasanlagen stehen, gibt es nur Monokulturen", betonte der Vorsitzende des Landesverbandes Brandenburgischer Imker, Rainer Gabriel. In diesen Landstrichen würden die Bienen keine Nahrung mehr finden und verenden. Dabei leisteten die kleinen Tiere durch ihre Bestäubungstätigkeit einen unverzichtbaren Beitrag für ein reichhaltige und intakte Umwelt. "Der volkswirtschaftliche Nutzen eines Volkes liegt bei rund 1200 Euro", so Gabriel. Durch den Verkauf von Honig könnten dagegen nur rund 350 Euro realisiert werden. "Es gibt viel Gründe, diese Anlage nicht zu bauen", erklärte Gabriel.

Das Thema Biogas steht auf der Tagesordnung der nächsten Stadtverordnetenversammlung in Werneuchen. Sie findet am Donnerstag, 3. September, ab 19 Uhr im Adlersaal statt.
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