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06.08.2009, 06:44 Uhr | MOZ / Kai-Uwe Krakau
Biogas vom Werneuchener Flugplatz
Umdenken in der Landwirtschaft: Die Unternehmen in und um Werneuchen produzieren zukünftig vielleicht nicht mehr Getreide für die Lebensmittelindustrie, sondern Mais für die Herstellung von Biogas. Ein bayrisches Unternehmen hatte in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Soziales seine Pläne für die Errichtung einer Anlage auf dem Flugplatzgelände vorgestellt - und stieß auf vorsichtige Skepsis. Es seien noch einige Fragen zu klären, hieß es. Vor allem müssten, bei allen Vor- und Nachteilen der Technologie, die Landwirte einbezogen werden.
Die Biogasanlage mit Fahrsilo soll auf einer fünf Hektar großen Fläche im Gewerbegebiet "Alte Hirschfelder Straße" (Teil des Grundstücks mit der Flurnummer 445) errichtet werden. Das Vorhaben ist nach Angaben der Stadtverwaltung Werneuchen laut rechtskräftigem Flächennutzungsplan "grundsätzlich zulässig". Eigentümerin des Grundstücks ist die Brandenburgische Boden Gesellschaft für Grundstücksverwaltung und -verwertung mbH. In der Anlage soll das erzeugte Biogas aufbereitet und dann in die nahe Leitung der Verbundnetz Gas AG oder der EWE AG eingespeist werden. Als Ausgangsstoffe dienen nachwachsende Rohstoffe wie Maissilage, Hirse, Getreide, Zwischenfrüchte, Kleegras u.a. Sie sollen über Verträge von den landwirtschaftlichen Betrieben aus der Umgebung bezogen werden. Zum Investitionsvolumen machte das Unternehmen zunächst keine Angaben.

"Biogas ist effizient, ganzjährig verfügbar und kann ortsunabhängig erzeugt werden", warb Stefan Sass, Gebietsleiter bei der Schmack Biogas AG, in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Soziales für das Projekt. Doch die Technologie hat auch Nachteile: Der gezielte Anbau von Energiepflanzen könne durchaus ökologische Probleme mit sich bringen, meinen Agrarexperten. Monokulturen, eine Belastung von Boden und Wasser sowie ein Rückgang der Arten seien die Folge.

Für den Standort Werneuchen sprechen nach Ansicht der Investoren vor allem die klimatischen Bedingungen und die landwirtschaftlichen Strukturen. Drei bis vier Vollzeitarbeitskräfte sollen in der Anlage tätig sein. Die nächsten Wohnhäuser liegen, so Sass, mindestens 250 Meter entfernt. Die Anlage könne für Zulieferer über drei Straßen erreicht werden.

"Die notwendigen Gespräche mit den landwirtschaftlichen Unternehmen haben wir noch nicht geführt", gab Sass zu. Zunächst ging es darum, die Unterstützung der Kommune zu erhalten. Mit der Brandenburgischen Boden sei man in Kontakt, hieß es. Nach Angaben von Sass muss auch noch die "wasserrechtliche Situation" geprüft werden. Die Schmack Biogas AG geht davon aus, dass jährlich 52 000 Tonnen nachwachsende Rohstoffe (Frischmasse) nötig sind, um die Anlage wirtschaftlich betreiben zu können. Bei reinem Mais brauche man beispielsweise eine Fläche von 1200 bis 1500 Hektar. Darüber hinaus wird mit 39 300 Tonnen/Jahr an flüssigen und festen Gärresten gerechnet. Sie sollen als hochwertiger Dünger verwendet werden. Nach Angaben der Firma muss man von insgesamt 5000 bis 6000 Lkw-Bewegungen ausgehen. Die Transporte würden sich jedoch über das Jahr verteilen, hieß es.

"Die Biogasanlage konkurriert mit dem Lebensmittelmarkt", stellte der Stadtverordnete Mathias Wiegand in der anschließenden Diskussion fest. Wenn die landwirtschaftlichen Betriebe lieber Mais statt Getreide anbauen, weil sie damit mehr verdienen können, sei das schon problematisch. Der Willmersdorfer plädierte dafür, dass sich zunächst die Landwirte und Pferdehöfe der Region zu dem Thema äußern. Man müsse das Projekt auch aus ethischen und nicht nur aus wirtschaftlichen Aspekten betrachten. "Ich kann deshalb noch keine Empfehlung abgeben", so der CDU-Politiker, der sich grundsätzlich für erneuerbare Energien aussprach. Ähnlich äußerten sich die Ausschussvorsitzende Sonja Büttner und Eberhard Bree aus Schönfeld.

Nach den Worten von Bürgermeister Burkhard Horn werde die Verkehrsbelastung durch die Biogasanlage nicht zunehmen. "Wir haben schließlich jetzt schon die Fahrzeuge im Stadtgebiet, die Getreide zu Märka transportieren", so der Verwaltungschef. Der Standort auf dem Flugplatz sei günstig, eine Geruchsbelästigung nicht zu erwarten. "Wir müssen über das Projekt weiter diskutieren", so Horn.

Der Ausschuss für Wirtschaft und Soziales nahm die Vorlage schließlich "zur Kenntnis". Das Unternehmen lud die Stadtverordneten zu einer Informationsfahrt zu einer Biogasanlge ein. In der heutigen Sitzung des Bauausschusses wird die Schmack Biogas AG ihr Vorhaben erneut vorstellen. Sie beginnt um 19 Uhr im Siedlerheim Rudolfshöhe an der Thälmannstraße/Küchenmeisterplatz.

In den Anlagen kommen Energiepflanzen (Mais und Getriede), tierische Rückstände (Gülle, Mist) und organische Abfälle (Klärschlamm) zum Einsatz. Im Fermenter wird die Masse unter Ausschluss von Licht und Sauerstoff von Mikroorganismen abgebaut. Aus den entstehenden Produkten bilden Bakterien dann Methan und Kohlendioxid. Das Biogas kann in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) zur Strom- und Wärmeerzeugung verbrannt - oder gereinigt ins Gasnetz eingespeist werden.

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