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30.03.2009, 06:59 Uhr | MOZ / Kristin Görlitz
"Das ist doch wie russisches Roulette"
Werneuchen Hitzig und emotionsgeladen verlief eine Diskussion, zu der die "Bürgerinitiative für einen gentechnikfreien Barnim" am Freitagabend geladen hatte. In den Wochen zuvor sorgten Verhandlungen um ein 8000 Quadratmeter großes Versuchsfeld für gentechnisch veränderten Mais in Weesow für Aufregung.
"Wenn das so weiter geht, dann können wir unseren Honig in den Gulli gießen oder am besten gleich vor den Reichstag schütten." Rainer Gabriel, Vorsitzender des Landesverbandes brandenburgischer Imker, räuspert sich. "Entschuldigen Sie, ich bin etwas aufgeregt." Die Anspannung, die manchen Gemütern in Werneuchens Annenhof zusetzte, war bereits zu Beginn der Veranstaltung spürbar. Vier Vertreter unterschiedlicher Interessengruppen hatten an der Längsseite eines Tisches Platz genommen, um ihren Standpunkt zur Gentechnik in der Landwirtschaft darzulegen. Neben Rainer Gabriel saßen dort der Landwirt Bringfried Wolter aus Wilmersdorf, Heiner Petersen, Mitbegründer der gentechnikfreien Zone Uckermark-Barnim, und Thoralf Küchler vom Konzern Syngenta Agro.

Syngenta vertreibt weltweit Saatgut und Pflanzenschutzmittel und setzt dabei auf die Steigerung der Erträge durch "innovative Forschung und neue Technologien", wie es auf der Internetseite heißt. Gegner werfen dem Konzern sein Engagement in der Gentechnik vor. Die "grüne Gentechnik" unterscheidet die Resistenz gegenüber Unkrautbekämpfungsmitteln (Herbiziden) und gegenüber Schädlingen.

In Weesow scheiterte Syngenta Anfang März bei dem Versuch, ein Testfeld für ihren herbizidresistenten Genmais zu pachten. Der Landwirt, dessen Ackerfläche für die Tests genutzt werden sollte, entschied sich gegen den Vertrag. Auf Nachfrage beteuerte Thoralf Küchler von Syngenta: "Wir sind von dem Vertrag zurückgetreten und werden auf der Fläche in Weesow nicht anbauen. Derzeit haben wir im Barnim keine andere Fläche." Für die meisten Besucher bedeutete dies aber auch, dass der Schweizer Konzern weiterhin Interessen hegt, seine "grüne Gentechnik" im Barnim zu testen.

So manchem schien dieser Gedanke übel aufzustoßen. Nahm die Diskussion noch im Fall Weesow ihren Ausgang, so verloren sich Besucher und Diskutanten doch immer wieder in allgemeinen Fragen zu Risiken und Vorteilen der Gentechnik. Was sowohl Verbraucher, Imker und Landwirte am meisten bewegte, war die Frage nach den Langzeitfolgen von gentechnisch veränderten Lebensmitteln und vor allem nach den Auswirkungen hochgiftiger Herbizide, die störende Unkräuter vernichten und den Ertrag steigern sollen. So meldete sich ein Zugezogener zu Wort, der seine nach dem Umzug aufs Land auftretende Asthmakrankheit auf Herbizide zurückzuführen glaubte.

Imker Günther Jesse aus Werneuchen fasste das Dilemma seines Berufszweiges so zusammen: "Früher hat man Unkraut mit der Hacke gemacht. Heute herrscht Kahlschlag. Dabei stört Klatschmohn oder Beifuß auf dem Feld nicht. Unsere Bienen brauchen aber auch diese Pflanzen und sterben nun wegen Pollenmangels." Das Gift, welches die Bienen über die verbleibenden Pflanzen aufnehmen, könne man außerdem auch im Honig nachweisen. Wer für die entstandenen Schäden hafte, wollen Landwirte und Imker wissen und schienen den besänftigenden Worten Küchlers nicht so recht zu trauen.

Trotz Mindestabständen, die zwischen Feldern mit gentechnisch veränderten Pflanzen und Feldern mit unverändertem Saatgut bestehen müssen, ist die tatsächliche Koexistenz zwischen diesen beiden Formen umstritten. Es besteht die Befürchtung, dass sich die manipulierten Gen-Merkmale unkontrolliert durch Bestäubung und Pollenflug ausbreiten können. Desweiteren könne man beobachten, dass sich Unkräuter mit einer natürlichen Resistenz gegen das Spritzmittel zunehmend ausbreiten. Das zwinge die Landwirte in bestimmten Teilen der Erde, immer giftigere Pestizide einzusetzen.

Die Aufforderung Thoralf Küchlers: "Ich biete Ihnen an, dass wir uns zusammen ausprobieren", überzeugte bis auf Werneuchens Bürgermeister Burkhard Horn nur wenige im Saal und erntete Gelächter. Positiv ist jedoch zu werten, dass Rainer Gabriel den Syngenta-Vertreter immerhin zu einer Vorstandssitzung der brandenburgischen Imker einlud und Heiner Petersen betonte, alles um das er bitte sei eine "Entschleunigung der Dinge", um mit der Risikoforschung hinterherzukommen. Denn letztlich blieb dies die Kernaussage des Abends - die Gentechnik ist eine riskante Wissenschaft mit ungeahnten Nebenwirkungen. Imkerin Evelyn Jesse blieb da nur zu sagen: "Das ist doch wie russisches Roulette, denn wir kennen die Folgen nicht."

Am 5. April wird im Annenhof der Film "Mansanto, mit Gift und Genen" gezeigt. Der Eintritt beträgt einen Euro. Der amerikanische Konzern "Mansanto" stellt ebenfalls gentechnisch verändertes Saatgut her.

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