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31.01.2010, 19:04 Uhr | MOZ / Britta Gallrein
Thema Stasi spaltet die Gemüter
Panketal (bag/MOZ) Das Thema Stasi ist noch lange nicht ausdiskutiert. Das bewies auch das Interesse am Bürgerstammtisch der Niederbarnimer Bündnisgrünen am Freitagabend in Zepernick. "Ist eine Überprüfung auf Stasi-Tätigkeit in der Kommunalpolitik noch zeitgemäß?" war die Fragestellung des Abends und rund 30 Bürger waren gekommen, um mit zu diskutieren.

"Wir haben 1992 gedacht, mit dem Thema sind wir in ein paar Jahren durch, dann klappen wir die Bücher zu und fertig", erklärte Günter Bormann, der als Mitarbeiter der sogenannten Birthler-Behörde gekommen war. "Heute wissen wir: Dieses Buch kann man nicht zuklappen." Er gehe davon aus, dass die bis 2011 verlängerte Frist zur Offenlegung der Akten noch einmal verlängerte werde.

Ein klares Votum gegen die Überprüfung legte Sparkassenchef Josef Keil ab, der als Vertreter der Landesinnung der Evangelischen Kirche gekommen war. "Es bringt nichts, zu wissen, ob jemand IM war oder nicht. Es gab Leute, die haben viel schlimmere Sachen gemacht und waren kein IM." Schuld und Sünde dürfe nicht auf eine Bevölkerungsgruppe reduziert werden, nur weil es über sie eine Akte gebe. "Freiheit ist das höchste Gut. Dafür muss die Gesellschaft es aushalten, dass unter den Leuten, die sich wählen lassen, möglicherweise auch Kinderschänder, sonstige Verbrecher oder aber IM sind", fand er.

Eine Meinung, die nicht viele an diesem Abends teilten. Marlene Wenke berichtete über ihre Erfahrung mit Stasi-Mitarbeitern. "Diese Unehrlichkeit und Heuchelei war schrecklich. Und das sollen heute meine Volksvertreter sein? Nein danke."

Auch Mathias Wiegand (CD) fand: "Die Generation der heute 40-Jährigen, die fragt sich: Was sind das für Leute, mit denen ich in der Kommunalpolitik an einem Tisch sitze? Kann ich denen trauen? Es wurde immer ein Mantel des Schweigens über das Thema gelegt." Nun müsse endlich Transparenz herrschen. Dabei gehe es jedoch nicht darum, jemanden an den Pranger zu stellen. "Wie man dann damit umgeht, muss man im Einzelfall entscheiden."

Vor allem die Partei der Linken als Nachfolger der SED geriet in der Diskussion in die Kritik. Deren Vertreterin Margitta Mächtig gestand. "Meinen Sie nicht, dass mir das selbst total nahe geht, wenn Leute, mit denen man jahrelang eng zusammen gearbeitet hat, als IM enttarnt werden?", sprach sie die jüngsten Enthüllungen an. Die Gesellschaft müsse jedoch lernen, zu verzeihen. "Die Reduktion auf die Stasi-Diskussion ist der Fehler, den diese Gesellschaft macht", fand Mächtig, die Überprüfungen aber trotzdem zustimmt. "Wer sich für ein politisches Amt bewerben will, muss das aushalten." Eine einheitliche Meinung gab es am Ende nicht. Das Thema Stasi-Überprüfung ist noch lange nicht durch.